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“Oli, warum fotografierst du eigentlich so selten Personen?”

Diese Frage wurde mir schon einige Male gestellt und die Antwort ist nicht leicht zu formulieren; Weil es anders ist, weil es schwierig ist, weil mein Motiv lebt, sich bewegt und oft auch eine Miene zieht. Auch muss ich jede Person fragen, ob ich das Foto dann auch zeigen darf. Es ist sehr schade, ein tolles Foto nicht zeigen zu dürfen. Mir ist das leider schon passiert, seitdem frage ich im Vorfeld. Ein Berg, ein See, unsere Ostsee – die können es nicht. Sie laufen nicht weg und ich muss sie nicht um Erlaubnis bitten. Ich kann den richtigen Moment wählen und auf das richtige Licht, die richtige Stimmung warten – das ist ein großer Vorteil.

Menschen zu fotografieren ist anders. Bei Landschaften habe ich Minuten und Stunden, hier habe ich Sekunden und sehr oft auch nur einen Bruchteil davon. Ich muss anleiten, Hilfestellung geben, mich beschleunigen, offensiver und schneller sein, den richtigen Augenblick suchen und finden, im Moment der Aufnahme schon über die Nachbearbeitung nachdenken. Licht, Schatten, Perspektive, Bildaufbau, die Schärfentiefe als wichtigstes Stilmittel und das alles vereint unter dem wichtigsten Aspekt – der Authentizität. Den Moment authentisch zu gestalten, ist bei Menschen sehr schwierig. Mein Gegenüber muss sich frei fühlen, ohne Druck, ohne Angst, ohne Fotoblick – nur so entstehen wunderschöne Aufnahmen. Diese Formel hat so viele Variablen und sie ändern sich jede Sekunde. Wenn ich hier gut werden will, muss ich an mir arbeiten. Ich muss Erfahrungen sammeln, mich ins kalte Wasser stürzen – ich muss Menschen fotografieren. Und genau das sagte ich mir, als ich im Frühling die ersten Anfragen erhielt.

Die hier gezeigten Fotos sind eine Auswahl von Bildern, die auf dem 60. Geburtstag der Mutter eines guten Freundes entstanden sind. Die Familie mit den Kindern und den vielen Enkeln war seit langem mal wieder komplett, die Sonne schien und alle hatten gute Laune. Und ich konnte mich endlich an meinen neuen Lieblingszwillingen austoben, was sind das bloß für süße Schneckenschisse! Nebenbei konnte ich der gesamten Familie eine große Freude mit den Bildern machen. Und natürlich für meine erste Hochzeitsreportage üben, die nun auch schon fünf Wochen zurückliegt. Ihr seht, es passiert viel – auch wenn hier nicht viel zu sehen ist. :)